Stardust - From Bach to David Bowie

By janpaaul - 12:00

David Bowie ist zweifelsfrei eine Ikone der Musikgeschichte. Was dieser eigenwillige Künstler Zeit seines Lebens erschaffen und auf die Welt losgelassen hat, wird noch in vielen Generationen ein spürbarer Einfluss auf das Wirken von Künstlern aller Sparten sein.

Was nicht passt, passt perfekt zusammen
Seit dem Ableben des britischen Superstars machen sich viele Künstler daran, seine Hinterlassenschaften in unterschiedlichsten Produktionen zu verarbeiten. Was bei einigen ordentlich in die Hose geht, funktioniert bei Stardust - From Bach to David Bowie erstaunlich gut. Zugegeben, Ballett wäre nicht unser erster Einfall gewesen, um Bowie einen Tribut zu zollen. Was jedoch als unvereinbar erscheint, erzeugt einen unwiderstehlichen Sog, wenn man als Zuschauer vor der Bühne sitzt. 

Ein Tanz durch die Geschichte
So auch bei dieser Vorstellung. Anfangs wartet man noch auf irgendwas von Bowie. Das Ensemble lässt sich aber Zeit. Es werden in der ersten Hälfte der Vorführung nur klassische Stücke vertanzt. Alles durchaus anschaulich und mit viel Ausdruck vorgetragen. Für den typischen Bowie Fan aber mithin gewöhnungsbedürftig. Auch wir brauchten etwas Zeit, um uns auf das Programm richtig einlassen zu können. Ballett steht normalerweise nämlich nicht auf der Lister unserer Lieblingsbeschäftigungen. 

Wenn "Heroes" das Tanzbein schwingen
Aber dann geht es los. Die ersten vertrauten Klänge aus Bowies Diskographie schallen durch den Raum. Die Spannung steigt gleichermaßen wie die Aufregung. Bowie versetzt uns immer in Schwingung und auch hier, können wir uns dem nicht entziehen. Was dann auf der Bühne passiert, lässt sich mit Worten schwer beschreiben, ohne technisch zu klingen. Wir sind die absolut Falschen, wenn es darum geht Ballett in der Qualität seiner Darstellung zu beurteilen. Was wir aber wohl können, ist unser Staunen mit euch zu teilen. 

"Space Oddity" völlig abgedreht
Nicht eine Sekunde hätten wir im Vorfeld erwartet, wie fesselnd und bezaubernd (ja, wirklich. Dieses Wort wählen wir hier aus.) die Kombination vom klassischen Bowie mit dem klassischen Balletttanz auf uns gewirkt hat. Die Verschmelzung ist perfekt. So eigenwillig wie die Musik des Künstlers, ist auch die Choreographie der Stücke gelungen. Ein Fest für die Sinne. Wir ertappten uns grinsend und fasziniert auf die Bühne starrend. Und auch die Menschen um uns herum im Publikum, schienen dem eigenartigen Zauber dieser Vorstellung erlegen zu sein. Bis auf ein, oder zwei. Die waren von den quietschenden Gitarren entweder geweckt worden, oder konnten mit dem was sie sahen einfach nix anfangen.

Das Weitergeben des Feuers
Man sagt ja Tradition sei nicht das Bewahren der Asche, sondern das Weitergeben des Feuers. Gemessen an diesem Anspruch, ist Stardust - From Bach to Bowie ein Geniestreich. Den Produzenten ist ein Theater gelungen, an dem Bowie selbst wohl großen Gefallen gefunden hätte. Die augenscheinliche Unvereinbarkeit des Klassischen mit dem stets Extravaganten, ist ein Schmaus für Augen, Ohren und Verstand. Sehenswert von der ersten bis zur letzten Minute.

Stardust - From Bach to Bowie gastiert noch bis zum 14.07.2019 in der Komischen Oper in Berlin.

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