(K)EIN LEBEN FÜR MEHR VIELFALT

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[Werbung / unbezahlt] Was muss im Leben eines jungen Mädchens alles falsch gelaufen sein, um es dazu zu bringen im eigenen Tod den einzigen Ausweg zu sehen? Der Bericht über den Suizid einer Elfjährigen rüttelt an den ignoranten Schultern der Berliner Schulbehörden. Und denen des ganzen Landes. 

Von Mobbing ist die Rede. Und davon, dass dieses Thema eben immer noch nicht ernst genug genommen wird. Und dabei gibt es genug - geradezu unzählig viele Beispiele - von Menschen die der Macht und Gewalt gesellschaftlicher Ausgrenzung nicht widerstehen konnten und lieber den Weg in den Tod gewählt haben. 

Vielfalt bedeutet in erster Linie die Abwesenheit von Ausgrenzung, gleich welche Gründe diese Ausgrenzung haben kann. Und dass das schon in der Schule seine Anfänge findet, dürfte jeder von uns selbst erlebt haben. Schule ist ein hartes Pflaster. Kinder und Jugendliche schlagen über die Stränge, sind sich der möglichen Konsequenzen (vielleicht) nicht bewusst. Wer immer nur Täter, aber nie das Opfer von Ausgrenzung und Mobbing geworden ist, wird das wohl nie verstehen. Den Druck, die Angst, die Hilflosigkeit und das absolute Fehlen von Anlaufstellen, um diesen Gefühlen entgegen wirken zu können. 

Wir können nicht ansatzweise ermessen, was diesem Kind widerfahren ist. Aber es muss grausam gewesen sein. Wie sonst könnte sich ein derart junger Mensch zu diesem letzten und endgültigen Schritt entschließen? Mit 11 Jahren versteht man das Konzept des Todes doch gerade erst vollständig. Und sollte mit dem des Suizid absolut unvertraut sein. Man sollte sich in einer sicheren, toleranten und integrativen Umgebung befinden - und den Kopf frei haben das eigene Selbst, das Leben und vor allem die Freude daran zu entdecken. 

Vorfälle dieser Art müssten tiefgreifende Veränderungen nach sich ziehen. Sie müssten der unüberhörbare Alarmschlag für die Lenker und Macher in der Gesellschaft sein. Der Aufschrei müsste jeden von uns erreichen! So darf es nicht sein! Wir dürfen nicht zulassen, dass unsere Kinder in einer Gesellschaft groß werden, die offenkundig noch immer nicht bereit ist, den Ernst dieser Lage anzuerkennen und entsprechend zu handeln.

Stattdessen erleben wir Eltern, die ihren Kindern antiquierte Ansichten vermitteln. Schulen, die diese stützen und vor lauter Bürokratie den menschlichen Faktor vergessen. Wir erleben Hilfsangebote, die an den Türen der Schulen und Behörden ihr Ende finden, weil niemand die Realität erkennen und akzeptieren will. Wir erleben Anti-Trauma-Maßnahmen, die den falschen Schutz propagieren. Vorfälle wie dieser werden lieber schnell ad acta gelegt. Je schneller man zum normalen Modus operandi zurückkehrt, desto besser?
Falsch!

Man darf nicht einfach weitermachen. Man darf nicht so tun, als sei es zwar passiert und es gleichzeitig aus der kollektiven Wahrnehmung tilgen. Ein Leben darf nicht der Preis für die Illusion der Vielfalt sein. Was wir brauchen ist eine breite Debatte über die Zustände in den Schulen. Mobbing passiert ÜBERALL! Und wir dürfen nicht die Augen vor der Realität verschließen und so tun, als ginge es uns nur dann kurz etwas an, wenn mal wieder etwas vorgefallen ist. Wir dürfen nicht zulassen, dass junge Menschen ihr Anderssein mit dem eigenen Leben bezahlen müssen.

Das ist unser aller Aufgabe. Das muss unser aller Mission sein. Eine Gesellschaft, die von klein auf nicht aus den Unterschieden ihr Kapital schöpft, sondern aus dem was wir alle gemeinsam haben: das Mensch sein.

Menschen, die sich in dem Thema engagieren, stehen oft vor scheinbar unüberwindbaren Hürden. Tatsächlichen - aber vor allem geistigen. Solange man die Problematik um das Thema Mobbing nicht vollumfänglich anerkennt und beginnt dort gegenzusteuern, solange wird es diese grausamen Nachrichten auch weiterhin geben. Die Schulen sind der erste und beste Platz im Leben eines jungen Menschen, um genau diese Lektionen zu lernen. Denn nur wenn wir über diese Dinge sprechen, können wir die Kleinen im unserer Gesellschaft dafür sensibilisieren. Können wir die Klassengemeinschaften zu einem sicheren Ort für jedes Kind machen.

Jeder, der schon mal am eigenen Leib Ausgrenzung erfahren hat - und das werden traurigerweise die meisten sein - kann sich an die Gefühle, die einen dann umtreiben, erinnern. Anstatt sie zu begraben und die Erinnerungen verblassen zu lassen, sollten wir die Wut und die Hilflosigkeit, die wir damals empfunden haben, dazu nutzen gegen das System der Ignoranz vorzugehen. Damit nicht noch mehr unschuldige Kinder ihr Leben mit dem Leben bezahlen müssen.

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