A SCREAM FOR DIVERSITY

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[Werbung / unbezahlt] A scream for diversity, oder wie man lernt was eigentlich selbstverständlich sein sollte. 

Wir lieben Vielfalt. In all ihren Formen und Ausprägungen. Wo auch immer sie anzutreffen sein mag, bedeutet sie für uns ein Mehr an Möglichkeiten, Auswahl und Ideen.



 

In den letzten Wochen, Monaten, ja fast schon Jahren, erfährt dieser Begriff eine zweifelhafte Berühmtheit. Er wird regelrecht herangezogen, zurechtgestaucht und abgenutzt. Und ganz oft, ohne ihn wirklich verstanden zu haben. Egal wo man hinschaut, ist es nie mehr als ein Kratzen an der Oberfläche seiner Bedeutung und wird dennoch hervorgehoben und angepriesen als das universelle Heilmittel gegen Engstirnigkeit und Intoleranzen.



Schaut man aber nur ein klein wenig genauer hin, zerfällt das dünne Bisschen Vielfalt und gibt die Sicht frei, auf den leeren, hohlen Raum aus Platitüden und scheinheiligen Argumenten, den es minder geschickt konstruiert verdecken sollte.

Wir wollen gar nicht groß mit Negativbeispielen arbeiten. Aber ein paar ganz krasse sollen durchaus Erwähnung finden. Über den, unserer Meinung nach, katastrophalen AboutYouAward haben wir ja bereits geschrieben (kannst du hier lesen, falls du ihn noch nicht kennst). Aber es gibt noch so viel mehr traurige Versuche wahre Vielfalt mit den billigsten Mitteln vorzutäuschen. Nehmen wir uns doch mal Germany’s Next Topmodel by Heidi Klum kurz dazu vor.



Da wird seit einigen Staffeln nur zu leichtfertig mit dem Begriff Diversity um sich geworfen. Und für was der nicht alles herhalten muss. Alles was nicht weißer Hautfarbe oder den anderen superoberflächlichen Überklischees des Modeluniversums entspricht, wird mit dem Verweis auf (angebliche) Diversity fachgerecht inkompetent in ein neugeschaffenes Schubfach gepresst. Wie ungerecht, geradezu unwürdig, erscheinen deren Definitionen von Vielfalt, gegenüber dem, was diese sinngemäß auszeichnet?

Da hat eine Größe 38 und wird gleich mal in die Plus Size Kategorie verschoben. Weil das ja vielfältig ist, sie überhaupt bei dem Magersuchts- und Charakterschwächen-Contest mitmachen zu lassen? Euer Ernst?

Eine andere ist laut, anders und so gar nicht muxmäuschenangepasst wie die übrigen Gazellen? Na dann drückt man auch ihr einfach den Diversity-Stempel auf den mageren Arsch und schiebt sie ungefragt ins Schubfach.



Bei wiederum anderen gereichen  scheinbar schon Hautfarbe oder Herkunft aus, sie ebenfalls frisch gestempelt unter Diversity zu verbuchen.

Wie billig das Ganze für den (hoffentlich einigermaßen) aufgeklärten Zuschauer wirken muss, kann man sich nur ausmalen. Alles was in deren Schublade der Vielfältigkeit landet, ist dem gemeinen Bürger so zuvor gar nicht bewusst. Unsere Lebenswirklichkeit besteht nunmal eher aus kurvigen Frauen, Menschen unterschiedlichster Couleur und Abstammung und wir kommen alle miteinander klar, ohne uns zuvor passend zu kategorisieren. Nicht auszudenken, wie die Welt aussehen würde, folgte man diesem propagierten und völlig antiquierten Bild von Vielfalt in der Mode- und Medienlandschaft.



Was für uns normal scheint, normal scheinen sollte, wird uns als exotisch und anders verkauft. Und da beginnt auch das eigentliche Problem. Denn dafür muss man ja erstmal festlegen und definieren, was wir gefälligst als normal zu empfinden haben.

Dass das ein fast unerträgliches Maß an rückständigem Denken und Handeln provoziert, scheint den Akteuren dieser Schubladenkonfektionierer nicht mal im Ansatz klar zu sein.




Wir können uns gar nicht entscheiden, ob wir uns darüber eher ärgern, oder es stattdessen lieber betrauern sollen. Eingedenk der Reichweite dieser Protagonisten, wünscht man sich jedenfalls ein baldiges und hartes Erwachen. Wer heutzutage immer noch nur mit Verweis auf die Unterschiede zu punkten weiß, hat gehörig verkackt. Der gehört abgeschaltet und stumm gestellt, damit ja niemand in Gefahr gerät, diesem Auswurf aus Grütze und Dummheit zu verfallen. Aufklärung sollte es stattdessen sein. Das niemand anders ist, nur weil er anders erscheint. Uns alle eint viel mehr, als uns unterscheidet. Und je eher wir uns das bewusst machen und leben, desto eher werden solch überflüssige Formate und Gestalten auch aus unserer Wahrnehmung verschwinden.



Ein jeder von uns ist gefragt, seinen kleinen aber wichtigen Teil dazu beizutragen, dass der Begriff Vielfalt sich in Zukunft mehr auf das Angebot einer Speisekarte anwenden lässt, als auf das menschliche Dasein. Das schulden wir all denen, die noch in diesem Schubfach gefangen sind.



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